Schalke angelt sich WM-Teilnehmer Uchida
Atsuto Uchida von den Kashima Antlers wird ab der kommenden Saison für den FC Schalke 04 spielen. Der Abwehrspieler erhält einen Drei-Jahres-Vertrag bis zum 30. Juni 2013. Damit steht erstmals in der Vereinsgeschichte ein Fußballer aus Japan im "königsblauen" Profikader.
Wann der 22-Jährige (*27. März 1988) seinen Dienst bei den Knappen antreten wird, hängt vom Abschneiden der Nationalmannschaft Japans bei der Weltmeisterschaft in Südafrika ab. Uchida steht im Kader der Asiaten, die am Montag (14.6.) um 16 Uhr ihr erstes Turnierspiel gegen Kamerun bestreiten.
Fünfter Neuzugang der "Knappen"
Bislang absolvierte Uchida 31 Länderspiele (1 Tor) für sein Heimatland, für das er zudem 2007 an der U20-Weltmeisterschaft und 2008 an den Olympischen Spielen teilgenommen hat. Mit seinem Club Kashima Antlers, für den er seit 2006 spielte, errang Uchida zudem 2007, 2008 und 2009 die japanische Meisterschaft.
Der 1,76 Meter große Akteur ist nach Tim Hoogland (1. FSV Mainz 05), Christoph Metzelder (Real Madrid), Erik Jendrisek (1. FC Kaiserslautern) und Lars Unnerstall (eigene Zweite Mannschaft) der fünfte Neuzugang des FC Schalke 04 für die kommende Spielzeit.
Ein Blackout, viel Stückwerk und kein Sieger
Ein Blackout von Torhüter Robert Green hat England zum Auftakt der WM in Südafrika den Sieg gekostet. Der international "grüne" Schlussmann von West Ham United ließ in der 40. Minute einen harmlosen Flachschuss von Clint Dempsey an den ausgebreiteten Handschuhen vorbei zum Endstand von 1:1 (1:1) ins Tor kullern.
David Beckham, verletzter Superstar der "Three Lions" und als Unterstützer auf der Bank dabei, registrierte es mit versteinerter Miene. Die USA hatten England bereits 1950 in Brasilien die WM-vermasselt - damals gewann der krasse Außenseiter sogar 1:0.
Frühes Führungstor durch Kapitän Gerrard
Dabei hatte für die Engländer alles so gut begonnen. Bereits nach 333 Sekunden hatte der neue Mannschaftskapitän Steven Gerrard den Weltmeister von 1966 in Führung gebracht (4.). Wie entscheidend ein Torhüter sein kann, zeigte sich anschließend auch in der zweiten Halbzeit: Tim Howard, US-Nationaltorhüter in Diensten des englischen Erstligisten FC Everton, war der große Rückhalt seiner Mannschaft bei der vergeblichen Hatz der Engländer nach dem Siegtor.
Beim bislang schnellsten Treffer des WM-Turniers in Südafrika war Howard chancenlos gewesen. US-Vizepräsident Joe Biden hatte das US-Team vor dem Spiel in der Kabine besucht und ihm beste Wünsche von Präsident Barack Obama bestellt - doch es half zunächst nichts: In der 4. Minute spielte sich Emile Heskey an der Strafraumgrenze frei und passte auf Kapitän Steven Gerrard, der schneller als der Frankfurter Ricardo Clark war und alleine vor Howard vollstreckte.
England nach dem Tor zu passiv
Mit der Führung im Rücken schaltete England aber prompt einen Gang zurück. Clint Dempsey nutzte das per Kopf zur ersten Chance, scheiterte aber am 30 Jahre alten Green, der den Vorzug vor David James erhalten hatte. Die frechen Amerikaner, bei neben Clark auch Trainer-Sohn Michael Bradley (Borussia Mönchengladbach) und Steven Cherundolo (Hannover 96) in der Anfangself standen, kamen mehrfach zu guten Chancen, ehe Dempsey aus gut 25 Metern einfach mal abzog.
Pechvogel Green trug sich ebenfalls in die Liste der englischen Torhüter wie David Seaman ein, die immer mal wieder patzen. Seit dem Abdanken von Peter Shilton, der nach der WM 1990 seine Karriere beendet hatte, wartet England auf einen Keeper von Weltklasse-Format. Dafür verhinderte Green in der 65. Minute reaktionsschnell das mögliche 1:2 gegen Jozy Altidore - er lenkte den Ball an die Pfosten.
Rooney kaum zu sehen
In der abwechslungsreichen Begegnung im Royal Bafokeng Stadium hatte zuvor Howard seine Mannschaft vor einem Rückstand bewahrt, als er einen 16-Meter-Schuss von Heskey parierte (52).
Von Heskeys Sturmkollegen Wayne Rooney, auf dem die Hoffnungen der Engländer auf einen zweiten WM-Titel ruhen, war dagegen nicht allzu viel zu sehen. Allein beim Führungstreffer hatte der bemühte Torjäger die Vorarbeit geleistet.
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Authentisch: Die Trainer in FIFA WM 2010
Aus dem Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft erreicht uns Hiobsbotschaft um Hiobsbotschaft. Bundestrainer Joachim Löw muss um eine gute WM-Vorbereitung kämpfen. In FIFA FUSSBALL-WM 2010 von EA SPORTS sind die Spieler dagegen schon einen Schritt weiter und kämpfen mit der DFB-Elf um den vierten Stern in Südafrika. Mit dabei: Joachim Löw, der an der Seitenlinie lautstark Kommandos gibt.
Im offiziell lizensierten Spiel sind es nämlich nicht nur die Stars auf dem Platz, die ihren Vorbildern täuschend echt nachempfunden sind, sondern auch ihre Lehrmeister.
Löw, Rehhagel, Capello oder Trapattoni
Joachim Löw ist dabei nur das nationale Beispiel, mit ihm finden sich Trainergrößen wie Otto Rehhagel, der mit seinen Griechen wieder das Unmögliche möglich machen will, und Englands Startrainer Fabio Capello im Spiel wieder.
Nicht nur die qualifizierten Nationen dürfen mit ihrem Original-Coach antreten. Unter anderem können die Spieler auch Irland doch noch zur WM führen, mit Trainerlegende Giovanni Trapattoni an der Seitenlinie.
Im Szenario-Modus "Geschichte der Qualifikation" schließt sich der irische Kreis: Hier können die Spieler die skandalöse Verlängerung gegen Frankreich nachspielen und der Geschichte ein anderes Ende verleihen. Auf der Gegenseite dabei: Der Noch-Trainer der französischen Equipe, Raymond Domenech.
Den Verlauf der WM beeinflussen
Im Zuge des WM-Turniers werden in einem Live-Service neue Partien für den Szenario-Modus hinzugefügt. Dann können die Spieler 24 Stunden nach den Spielen besondere Szenen und Ereignisse nachspielen und sich so noch ein Stück mehr des WM-Flairs nach Hause holen. EA SPORTS plant, für alle 64 Partien der Endrunde in Südafrika Szenarien anzubieten.
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WM-Spiel begeistert mit realistischen Details
Die WM 2010 hat begonnen, Millionen Spiele sind weltweit bereits entschieden. In "FIFA Fußball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010", dem WM-Videospiel von Electronic Arts, kämpfen täglich schon Tausende Gamer um den Weltpokal.
Der authentische Online-Turniermodus führt die Computerspieler sogar unter den gleichen Bedingungen durch das Turnier, wie sie die echten Fußballer in Südafrika antreffen können: von der Gruppenphase durch die K.O.-Runde bis ins Finale.
Realistische Details
Die spektakulären und realistischen Details haben das WM-Fieber bei den vielen Gamern schon steigen lassen: zum Beispiel alle zehn offiziell lizenzierte Stadien, in denen in Südafrika gespielt wird, sowie die Arenen aus allen Qualifikationsregionen.
Oder die virtuellen Fans, die ihren Idolen nach Südafrika nachgereist sind, auf den Tribünen ihre Nationalflaggen schwenken, riesige Banner hochhalten und in ihrer Landessprache jubeln.
Spieler zum Verwechseln ähnlich
Die Liebe zum Detail findet sich aber vor allem bei den Hauptdarstellern wieder - den Stars der WM. Englands Top-Stürmer Wayne Rooney gleicht seinem Original praktisch bis aufs Barthaar. Auch Arjen Robben oder Mesut Özil erkennen nicht nur die Experten auf Anhieb.
Als Renner hat sich außerdem schon die Option erwiesen, mit der Fußball-Geschichte umgeschrieben werden kann. Die aufregendsten Momente der WM-Qualifikation 2010 und der Endrunde der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland können in mehr als 50 Szenarien neu gespielt und entschieden werden.
Deutschland doch Weltmeister 2006?
Eine Option, die viele deutsche Spieler gerne genutzt haben, um die Nationalelf 2006 im Halbfinale gegen Italien doch noch zum Sieg zu führen.
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Das "Wunder von Bern" erlöst Deutschland
Der 4. Juli 1954 wird für immer einer der wichtigsten Tage in der Geschichte des deutschen Sports bleiben: Fast zur gleichen Stunde gab es zwei Weltsensationen. Im Berner Wankdorfstadion schlug der krasse Außenseiter Deutschland die für unbesiegbar gehaltenen Ungarn mit 3:2 und wurde erstmals Weltmeister!
In Reims ging nach 15 Jahren Abwesenheit zum ersten Mal seit 1939 wieder ein deutscher Formel-1-Rennwagen als Sieger durchs Ziel: Juan Manuel Fangio steuerte seinen Mercedes-Silberpfeil zum Sieg vor Hermann Kling! Der Mercedes-Triumph aber ging nahezu unter. Denn Deutschland lebte im Fußball-Taumel.
Herbergers Geniestreich
Seit der 6:1-Sensation über Österreich im Halbfinale und dem völlig unerwarteten Einzug ins Endspiel gab es zwischen Flensburg und den Alpen nur noch ein Thema. Schulkinder und Greise diskutierten mit gleichem Fieber die bange Frage: Wie kann die Truppe von Chef Sepp Herberger gegen den haushohen Favoriten Ungarn abschneiden - 14 Tage nach jenem blamablen 3:8 von Basel, als Herberger seine zweite Garnitur aufgeboten hatte.
Nachher sprach alles vom "Geniestreich", von "Meisterstrategie", vom "Zauberkünstler". Tage vorher jedoch las man noch "In die Wüste schicken", "Ablösung", "Zeit ist abgelaufen" und Ähnliches. Auch im Finale hieß es schon nach sieben Minuten 0:2. Puskas und Sekunden später Czibor schienen ein neues Debakel für die deutsche Elf einzuleiten.
Ungarn ungeschlagen
Seit Mai 1950 waren die Ungarn in 32 Länderspielen ungeschlagen - eine neue Wundermannschaft war entstanden. Olympiasieger 1952, erster Sieg über die zu Hause bis dahin unüberwindlichen Engländer mit jenem legendären 6:3 vom 25. November 1953, im Mai 1954 sogar ein 7:1-Sieg über den gleichen Gegner in Budapest - nicht Titelverteidiger Uruguay oder die 1950 zu Hause in Rio de Janeiro knapp geschlagenen Brasilianer waren Favorit für 1954.
Major Ferenc Puskas, sein Halbstürmer-Kollege Sandor Kocsis, der Ballkünstler Zoltan Czibor hatten gemeinsam mit Verbandskapitän Gusztav Sebes und Trainer Gyula Mandi in vier Jahren ein Team geformt, das einen Fußball ganz neuer Prägung spielte, zweckmäßig und doch schön, Abwechslung zwischen Genie und eiskaltem Kalkül. 2:0 für Ungarn stand es also nach sieben Minuten.
"Rahn schießt…"
Dann kam die erste Sensation: In der zehnten Minute verkürzte der Nürnberger Max Morlock. Erste zarte Hoffnung keimte auf. Nach 18 Minuten hieß es 2:2 durch Helmut Rahn. 25.000 deutsche Schlachtenbummler spürten plötzlich den strömenden Regen nicht mehr - Millionen zu Hause griffen schneller nach Kaffee und Zigarette.
In den Menschentrauben vor allen Fernsehläden in Deutschland begannen die ersten Bierflaschen zu kreisen - kaum jemand konnte sich damals schon im eigenen Wohnzimmer eine Glotze leisten. Eine Stunde lang stand es Remis: müder werdender ungarischer Zauber gegen sich immer mehr steigernde deutsche Sachlichkeit.
Dann landete in der 84. Minute ein Schuss von Rahn mit dem linken Fuß von der Strafraumgrenze im Tor! 3:2 für Deutschland - die Weltsensation war perfekt! Kurz darauf erkannte der englische Schiedsrichter William Ling ein Puskas-Tor wegen Abseitsstellung nicht an.
Turek rettete den Titel
Torwart Toni Turek rettete mit einer Glanzparade den Sieg - Deutschland war Fußball-Weltmeister, das "Wunder von Bern" perfekt. Auf den Straßen in Stadt und Land spielten sich Szenen ab, die für alle unvergesslich bleiben. Wildfremde Menschen fielen sich um den Hals, küssten sich, tanzten umher. Straßauf, straßab wurden die Fenster aufgerissen, man winkte mit Taschentüchern, Tischtüchern, Bettlaken, Toilettenpapierrollen bildeten Girlanden.
Innerhalb von Minuten nur waren alle Wirtschaften und Gasthäuser gefüllt, viele Leute konnten und wollten nicht mehr alleine sein, man musste seine eigene Freude lautstark dem Mitmenschen ins Ohr brüllen. Bierhähne stießen Rekordmengen aus, Weinflaschen kreisten, Sektkorken knallten, das ganze Land feierte.
Eine Welle der Begeisterung
Der Empfang der deutschen Mannschaft in der Heimat setzte diesen Jubelsturm weiter fort. Über Singen am Hohentwiel nach München führte der Triumphzug, von dort in die einzelnen Heimatorte wieder ins Berliner Olympiastadion, wo Bundespräsident Theodor "Papa" Heuss gratulierte und Silberlorbeer überreichte.
Wahre Geschenkberge regneten auf Spieler und Begleitung nieder, von der Zigarrenkiste bis zum damals supermodernen Motorroller, von der Waschmaschine (auch noch eine Kostbarkeit damals) bis zum Ferienaufenthalt. Im Mittelpunkt all dieses Glanzes aber stand der Chef: Sepp Herberger.
In seinem Heimatort Hohensachsen an der Bergstraße wurde er Ehrenbürger, man taufte eine Straße auf seinen Namen. Leute, die ihn vorher noch "Stümper" genannt hatten, liebkosten plötzlich "sein Genie".
Zakłady Live
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Deutschland dominiert das "runde Leder"
Genau 20 Jahre und drei Tage nach Fritz Walter (4. Juli 1954) hielt auch sein Nachfolger Franz Beckenbauer (7. Juli 1974) als Kapitän der deutschen Nationalmannschaft die bedeutendste Trophäe des Fußballs in seinen Händen: Nach 1954 in Bern war Deutschland 1974 in München zum zweiten Mal Weltmeister geworden. Was vormals Helmut Rahn angefangen hatte, vollendete "Bomber" Gerd Müller mit seinem Tor zum 2:1-Finalsieg gegen die Niederlande.
1974 stand der deutsche Fußball sicherlich auf seinem Höhepunkt: Weltmeister, zuvor schon 1972 Europameister, Bayern München Europapokalsieger der Landesmeister, die Bundesliga galt als beste Liga der Welt. Wahrscheinlich war man in jenen Tagen sogar schon etwas zu satt, zu verwöhnt. Alles war zu glatt, zu problemlos gelaufen - trotz der 0:1-Niederlage ausgerechnet gegen die DDR in Hamburg und des Ärgers um den Prämienpoker.
Titel wurde erwartet
Bei aller Freude war klar zu spüren, dass der Jubel über den WM-Titel 1974 doch merklich hinter der Euphorie über das "Wunder von Bern" von 1954 zurückblieb. War das 3:2 über Ungarn 20 Jahre zuvor eine Sensation gewesen, hatte man diesmal den Sieg erwartet, ihn sogar gefordert. Ein 2. Platz wäre schon eine Enttäuschung gewesen.
Hinzu kam noch am Abend des Finalsieges die kalte Dusche mit den Rücktritten von Gerd Müller und Paul Breitner. Wegen des Ausschlusses der Spieler-Damen vom offiziellen Bankett warfen beide dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) das Nationaltrikot vor die Füße. Auch Wolfgang Overath und Jürgen Grabowski verabschiedeten sich als Weltmeister.
Traum-Duo Schön/Beckenbauer
Im Mittelpunkt aber standen unzweifelhaft Trainer Helmut Schön und Kapitän Franz Beckenbauer - wie 1954 Sepp Herberger und Fritz Walter. Das war sicherlich das große Erfolgsrezept: hier ein kluger Kopf außerhalb des Spielfeldes, der Ideen hatte, eine Strategie, dort auf dem Rasen ein brillanter Spieler, den technisches Können, kühle Übersicht und eigene Persönlichkeit zum Weltklassemann formten.
Der Trainer mit dem verlängerten Arm auf dem Platz - das war das Geheimnis. Wie ein roter Faden zieht sich dieses Konzept durch die Erfolgsgeschichte der Fußball-Weltmeister. Das begann schon vor dem Krieg 1934 und 1938 mit Vittoria Pozzo und Giuseppe Meazza in Italien, setzte sich fort 1954 und 1974 in Deutschland mit Herberger-Walter bzw. Schön-Beckenbauer, war sichtbar 1958, 1962 und 1970 mit Vincente Italo Feola-Pele und Mario Zagallo-Pele, führte 1966 England zum Triumph mit Alf Ramsey-Bobby Charlton, galt später genauso 1986 für Argentinien mit Carlos Bilardo-Diego Maradona oder 1990 wiederum für Deutschland mit Beckenbauer-Lothar Matthäus.
Erfolgreiche Gespanne
Unvergessen auch in Ungarn das große Duo Gusztav Sebes-Ferenc Puskas, das zwar 1954 in Bern bitter unterlag, aber vorher eine Erfolgsspur gelegt hatte, die in die Geschichte des Fußballs eingegangen ist. Rinus Michels/Johan Cruyff waren 1974 im WM-Finale bei den unterlegenen Niederländern, die sich noch heute für das beste Team des Turniers halten, ebenfalls ein solches Gespann. Auch 1978 in Argentinien Cesar Luis Menotti und Mario Kempes, als Holland im Finale wieder am WM-Gastgeber scheiterte, oder 1982 in Spanien, als Italien mit Enzo Bearzot und Paolo Rossi den dritten Welttitel gewann.
Zum vierten Mal hatte sich 1974 in München auch der Heimvorteil ausgewirkt: wie 1930 in Uruguay bei der WM-Premiere, 1934 in Italien, 1966 in England nun auch in Deutschland. 1978 sollte Argentinien und 1998 Frankreich folgen. Für den deutschen Fußball aber brachte dieser Sieg 1974 noch eine andere Bestätigung, die zwei Jahre vorher schon die Olympischen Spiele 1972 an gleicher Stelle so ausgezeichnet hatte: Wieder einmal sprach die ganze Welt von der vollendeten deutschen Organisationskunst, wieder hatten sich die Gäste in nahezu perfekter Form wohlgefühlt.
Bloß nicht als erstes Team treffen
Und noch eine Serie hatte sich 1974 fortgesetzt: Wer im WM-Finale das erste Tor schießt, der verliert. Nur selten hat das anders ausgesehen: Diesmal kam schon kurz nach dem Anpfiff die kalte Dusche für den späteren Weltmeister. Der niederländische Star Johan Cruyff wurde schon nach 90 Sekunden im Strafraum von Uli Hoeneß gefoult.
Sofort deutete Schiedsrichter John Keith Taylor aus England auf den Elfmeterpunkt: Johan Neeskens ließ sich diese Chance nicht entgehen - 1:0 für Oranje. Bis dahin hatte noch kein deutscher Spieler den Ball berührt... Doch dann schlugen Paul Breitner und Gerd Müller zu und kehrten den Spieß noch vor der Pause zum 2:1-Triumph für Deutschland um - wie 20 Jahre vorher Max Morlock und Helmut Rahn.
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Deutschland, ein "Sommermärchen"
Das Sommermärchen WM 2006 hat das Land der Dichter und Denker grundlegend verändert. Die 18. Weltmeisterschaft, die zweite WM-Endrunde nach 1974 in Deutschland, ging als triumphaler Erfolg in die deutsche Sportgeschichte ein. Am 9. Juli 2006 wurde die deutsche Nationalmannschaft nach dem 3:1 gegen Portugal im Spiel um Platz 3 auf der Berliner Fan-Meile von einer halben Million Fans als "Weltmeister der Herzen" gefeiert.
Es war der emotionale Höhepunkt des Großereignisses, das Millionen während der vier Wochen in seinen Bann gezogen hatte. "Auch wenn Deutschland nicht im Finale stand, hat es schon gewonnen, denn es hat die beste WM aller Zeiten ausgerichtet und die Nation in dieser Anstrengung vereint", hatte der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan das Turnier der Superlative gelobt, das Deutschland 31 Tage lang in einen Fußball-Rausch versetzt hatte.
Lob von allen Seiten
Die WM lieferte den Beweis dafür, dass auch die Deutschen euphorisch, ausgelassen und vor allem friedlich feiern können. "Es hat alles gepasst. Bei den Fanfesten haben unterschiedliche Rassen, Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und Religionen nebeneinander gestanden. So stellt sich der Liebe Gott die Welt vor, auch wenn wir in der Realität noch 100.000 Jahre davon entfernt sind", resümierte der deutsche WM-OK-Präsident Franz Beckenbauer.
"Die Welt zu Gast bei Freunden" - wohl noch nie wurde ein WM-Motto so überzeugend umgesetzt. Freundlichkeit, Fröhlichkeit und Kreativität wurden aller Orten gelebt. Weit über 32 Milliarden TV-Zuschauer weltweit nahmen Notiz von der größten Image- und Werbekampagne, die Deutschland je erlebt hat.
Der "Kaiser" machte es möglich
"Es war eine brillante Organisation und eine hervorragende WM. Es war die beste Weltmeisterschaft", resümierte DOSB-Präsident Thomas Bach. "Kaiser Franz" Beckenbauer hat sich dabei als Macher der WM 2006 in Deutschland endgültig unsterblich gemacht, nachdem er als Kapitän der Weltmeistermannschaft von 1974 und Teamchef der Weltmeistertruppe von 1990 schon markante Triumphe vorzuweisen hatte.
Die Art und Weise, wie die WM organisiert und durchgeführt wurde, setzte Maßstäbe. "Alles hat gepasst", bilanzierte Beckenbauer und wies auch auf das Wetter hin: "Mit dem Eröffnungsspiel ist der Sommer eingezogen, nachdem wir vorher noch im Wintermantel rumgelaufen sind und die Schneefallgrenze bei 800 Metern lag." Sicherlich auch ein Mosaiksteinchen im deutschen WM-Erfolgsgefüge.
Klinsmann löste Euphorie aus
Ein weiteres wichtiges war das Auftreten der deutschen Nationalmannschaft. Die Ankündigung von Bundestrainer Jürgen Klinsmann bei seinem Amtsantritt knapp zwei Jahre zuvor ("Wir wollen Weltmeister werden") war keine hohle Phrase.
Mit begeisterndem Offensiv-Fußball lösten Ballack und Co. eine nie erwartete Euphoriewelle von Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen aus. Selbst das Halbfinal-Aus gegen Italien, der zerstörte Traum vom vierten WM-Triumph, war kein Beinbruch. Bundespräsident Horst Köhler sprach den deutschen Anhängern mit seinem Fazit aus der Seele: "Es hat nicht gereicht - aber Sie haben sich trotzdem in die Herzen der Deutschen gespielt."
Neue Stadien
Auch Kanzlerin Angela Merkel wurde während des deutschen Sommermärchens zum richtigen Fußball-Fan und empfing eine Abordnung der DFB-Auswahl im Bundeskanzleramt. "Sie haben sich um Deutschland unendlich verdient gemacht", lobte Merkel. Das Auftreten der Nationalmannschaft habe Vorbildcharakter. Die "Klinsmänner" sorgten im ganzen Land für eine Aufbruchsstimmung, die man den Deutschen als ständigen Nörglern und Pessimisten kaum noch zugetraut hatte.
Die Milliarden-Investitionen in die WM erwiesen sich als gut angelegt. Für 1,5 Milliarden Euro wurde zwölf Stadien neu gebaut oder renoviert, 3,7 Milliarden Euro flossen in die Infrastrukturmaßnahmen. Das ursprünglich auf 430 Millionen Euro kalkulierte Budget des deutschen WM-OK wurde dank der nahezu 100-prozentigen Stadionauslastung um 20 Millionen übertroffen. Aber auch der Bund profitierte im Gegenzug.
Sicherheit pur
"Wir haben 40 Millionen Euro an Mehrwertsteuer bezahlt, 7,4 Millionen an Lohnsteuer und 6,5 Millionen an Sozialversicherung. Und wir haben die Forderung unseres Ehren-Präsidenten Egidius Braun erfüllt, für die Finanzierung der WM keine Steuergelder in Anspruch zu nehmen", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger. Insgesamt waren durch die WM 85.185 Arbeitsplätze geschaffen worden.
Darüber hinaus verlief die WM trotz großer Befürchtungen im Vorfeld in punkto Sicherheit reibungslos. Das Konzept ging auf, die Zusammenarbeit mit ausländischen Polizei-Delegationen funktionierte reibungslos. Englische und polnische Hooligans wurden frühzeitig aus dem Verkehr gezogen.
Italien siegte im Elfmeterkrimi
Sportlich allerdings blieb die WM 2006 ein wenig hinter den Erwartungen zurück. Fußball-Demonstrationen wie das 6:0 von Argentinien gegen Serbien und Montenegro blieben die Ausnahme. Immerhin gehörten die Deutschen zu denen, die den offensivfreudigsten und attraktivsten Fußball zeigten.
"Die Weltmeisterschaft lebte von den Emotionen, der Spannung. Fußballerisch stand sie nicht auf hohem Niveau", bilanzierte UEFA-Präsident Michel Platini: "Es fehlten die Überraschungen, die Entdeckungen. Alle Spieler, auch die aus Argentinien oder Brasilien, stehen bei europäischen Spitzenvereinen unter Vertrag, spielen in der Champions League. Man kennt sich."
Im Endspiel am 9. Juli 2006 standen sich im Berliner Olympiastadion Italien und Frankreich gegenüber. Die "Squadra Azzurra" holte sich durch ein 5:3 im Elfmeterschießen (1:1 nach Verlängerung) zum vierten Mal nach 1934, 1938 und 1982 den Titel. Für den unrühmlichen Höhepunkt im Finale sorgte allerdings Frankreichs Kapitän Zinedine Zidane, der nach einem Kopfstoß gegen Marco Materazzi (110.) in seinem letzten Spiel als Profi die Rote Karte sah und noch vor der Entscheidung in den Katakomben verschwand.